„Gasfrei!“ Das hatte es mit der riesigen Gasflamme im Paradies auf sich

Eine Querverbindung zwischen zwei Gas-Hauptversorgungsleitungen: Was nüchtern und unspektakulär klingt, erforderte in den vergangenen Wochen die ganze Erfahrung, das Können und Geschick unserer Gas-Netzmonteure. Inzwischen konnte die Maßnahme erfolgreich abgeschlossen werden.

„Naja, allzu oft haben wir sowas wirklich nicht“, bemerkt Gas-Meister Jens Lüthke in der ihm eigenen nüchternen und unaufgeregten Art. „Dafür hat es bis jetzt recht reibungslos geklappt.“ 

Gemeinsam stehen wir am Donnerstagmorgen an der Baugrube nahe des künftigen Sportleistungszentrums Oberaue. An der dortigen Gasdruckregelanlage Nr. 19 (Stadion) verlaufen drei Gasleitungen: Eine Hochdruckleitung aus der Übernahmestation in Maua liefert das Erdgas mit einem Druck von 15 bar in der Anlage an und von dort verteilen es zwei Hauptleitungen mit einem Druck von 8 bar einmal in den Norden und einmal in den Süden der Stadt. Um auf mögliche Mehr- und Minderbedarfe flexibler reagieren zu können, soll zwischen den beiden Hauptleitungen eine Verbindung inklusive Schieber installiert werden. So einfach, so kompliziert…

Auf acht Meter Länge ist Millimeterarbeit gefragt

Denn für das Passstück, das beide Leitungen verbinden soll, war millimetergenaue Maßarbeit gefragt. „Die beiden Bestandsleitungen haben einen unterschiedlichen Querschnitt, sie liegen auf unterschiedlichen Höhen und verlaufen noch nicht einmal parallel. Außerdem handelt es sich um Stahlrohre. Wenn irgendwas nicht passt, können wir sie uns nicht einfach irgendwie zurechtruckeln.“ 

Um das perfekt in die Lücke passende Rohrstück zu bauen, kam deshalb ein sogenanntes Fadengerüst zum Einsatz: Mithilfe von kreuz und quer zwischen den Rohren gespannten Schnüren wurden Längen, Höhen, Neigungen, Richtungen, Winkel sichtbar und konnte das – immerhin acht Meter lange – Zwischenstück ausgemessen werden. Dann waren die Schweißer Frank Braunsdorf und Stefan Keck dran, die in Maua fast eine Woche lang einen großen Teil der Verbindungsleitung vorrichteten. „Nicht viele Versorgungsunternehmen haben dafür überhaupt das Know-How im Betrieb“, weiß Lüthke. „Das ist schon was besonderes bei uns.“ 

Spannung vor der Montage: Passt das Zwischenstück?

Wie gut all die Vorbereitungen waren, sollte sich zeigen – die Montage stand an. Dafür wurde der Trassenabschnitt zwischen Stadion und Straßenbahnhaltestelle „Jenertal“ vom übrigen Netz getrennt und mittels einer Gasfackel vollständig entleert. Der etwa zwei Meter hohe Gasauslass mit seiner wiederum bis zu drei Meter hoch lodernden Flamme und seinem weithin hörbaren Rauschen sorgte bei Spaziergängern, Straßenbahnfahrgästen und Autofahrern für einiges Aufsehen… :-) Anschließend und während der gesamten Montagearbeiten wurde die Leitung zusätzlich mit Luft gespült und so „gasfrei“ gehalten.

Zwei Stunden allein, um die Leitung zu freizubrennen

Dass es fast zwei Stunden brauchte, bis aus dem etwa 800 Meter langen Abschnitt alles Gas verbrannt war, verblüffte mich dann aber doch. „Das unterschätzt man leicht“, erklärt Jens Lüthke. „Die Leitung ist mit einem Querschnitt von 300 Millimetern sehr groß und das Gas darin ist auf ein Achtel seines Volumens zusammengepresst: Ich schätze, so ein Rohr fasst 75 Liter Erdgas – pro Leitungsmeter!“ Auf ihre Länge von 800 Metern fasst die Leitung demnach 600 Kubikmeter komprimiertes Gas , was rund 5000 Kubikmeter „normalem“ Gas entspricht – das brennt eine Weile… Früher wurde bei solchen Reparaturen das Gas einfach in die Umgebung abgelassen, erinnert sich Lüthke. „Aber weil Erdgas bis zu 96 Prozent aus Methan besteht, das um ein vielfaches klimaschädlicher ist als CO2, brennen wir es seit einigen Jahren kontrolliert ab.“  

Geduldsspiel an der Hydrauliksäge

Dann geht es endlich los: Zur Sicherheit steht mindestens ein halbes Dutzend Feuerlöscher bereit, als Jonas Bechstein und Oliver Eckert mit dem Auftrennen der Stahlrohre beginnen. Zum Einsatz kommen funkenfreie Druckluftsägen, um selbst an der entleerten Gasleitung bloß kein Risiko einzugehen. Ein Geduldsspiel, bis die vier Schnitte endlich geschafft sind… 

Nun senkt der Bagger das acht Meter lange Passstück in die Baugrube ab: Lücke finden, einfädeln, ein Ruckeln, noch etwas Justieren, dann lassen sich die Muffen über die Rohr-Enden schieben – links ist fertig. Nur rechts gibt’s ein paar Probleme: Alles drücken und schieben nützt nix, ein paar Zentimeter Stahlrohr sind zu viel. Die müssen nochmal mühevoll mit der Druckluftsäge abgeschnitten werden, dann schließen sich auch dort die Muffen. Das Gröbste ist geschafft!

Überraschend: Geschweißt wird an der gefüllten Gasleitung 

Verbunden werden die Teilstücke dann übrigens mit einem echtem Schweißgerät, mit WIG oder E-Hand- Schweißverfahren und nachdem schon wieder ein wenig Gas durch die Leitung fließt – schon wieder bin ich verblüfft. „Nicht selten brennt es dann auch ganz leicht beim Schweißen, aber das ist normal“, erzählt Frank Braunsdorf. „Es muss ja alle Luft aus der Leitung raus – damit sich kein brennbares Gas-Luft-Gemisch bilden kann. Und diese Luftverdrängung wird eben am besten durch durchströmendes Erdgas erreicht.“ 

Ob auch alle Schweißnähte dicht sind, wird übrigens per Röntgenuntersuchung und mit elektronischen Gasspürgeräten ganz amtlich vom TÜV überprüft und testiert, ehe die Rohre wieder isoliert und die Baugrube mit Erdreich verfüllt werden kann.

Ihr wollt die Flamme in Aktion sehen? Dann geht es hier zu einem Video auf unserem Instagram-Account. 

Habt ihr so ein kontrolliertes Abbrennen von Gas auch schon mal gesehen? Verratet es uns in den Kommentaren.

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