Wie grün ist der Ökostrom aus meiner Steckdose?

Immer wieder stellen uns unsere Kunden diese Frage: Wie grün ist euer Stadtwerke-Ökostrom eigentlich? Kann es sein, dass ich trotzdem Atomstrom bekomme, auch wenn ich Ökostrom bei euch gekauft habe? Hier ist die Antwort darauf. Aber Vorsicht: Wie so oft im Leben, ist das alles gar nicht so einfach.

Ökostrom für alle – bei uns seit 2013

Seit 2005 bereits bieten wir von den Stadtwerken Jena unseren Kunden unterschiedliche Ökostromtarife, seit 2013 gibt es bei uns sogar nur noch Grünstrom: Seitdem beliefern wir alle unsere mehr als 69.000 Kunden mit jenaturStrom und damit mit 100% Ökostrom. Und das ohne Mehrkosten.

Pro Jahr fließen damit rund 286.200 Megawattstunden Grünstrom an unsere Privat- und Gewerbekunden. So werden jährlich 124.500 Tonnen an CO2-Emissionen vermieden. Das entspricht dem Fassungsvermögen von 15.842 Heißluftballonen – jedes Jahr. 

Bekomme ich wirklich Ökostrom, wenn ich Ökostrom gebucht habe?

Viele Kunden spiegeln uns, dass sie dieses Engagement schätzen, dass es einer der Gründe ist, warum sie sich für die Stadtwerke als ihren Lieferanten entschieden haben. Gleichwohl erreichen uns auch immer wieder kritische Nachfragen: Wie grün ist euer Stadtwerke-Ökostrom eigentlich? Wie funktioniert das genau? Und kann es sein, dass ich Atomstrom bekomme obwohl ich eigentlich Ökostrom bei euch gekauft habe? Schnelle Antworten auf diese Fragen liefert unser Kurzvideo. Wer’s genauer wissen will, liest einfach weiter.

Ernüchternd: Die physikalische Antwort auf die Frage

Tatsächlich gibt es auf die Frage nach dem grünen Strom und der Steckdose zwei richtige Antworten. Eine kaufmännische und eine physikalische. Physikalisch ist die Sache ganz einfach – Strom fließt immer auf möglichst kurzem Wege vom Erzeuger zum Verbraucher.

Wer am Kernkraftwerk wohnt, nutzt faktisch den Atomstrom „von nebenan“, auch wenn er den grünsten Grünstromtarif auf dem ganzen Energiemarkt gebucht hat. Wer an der Hohenwarte- oder der Bleiloch-Talsperre wohnt, bezieht den dort emissionsfrei erzeugten Wasserkraftstrom, auch wenn er (falls es das gibt) den dreckigsten Braunkohle-Stromtarif Deutschlands gewählt hat. Je nachdem, wer oder was in die nächstgelegene Leitung einspeist, so „grün“ oder eben „grau“ ist der Strom, der (physikalisch) aus eurer Steckdose kommt. So weit, so ernüchternd.  

Ökostrom oder nicht: Das ist vor allem eine kaufmännische Frage

Spannend wird’s erst bei der kaufmännischen Antwort auf unsere Frage. Denn wer einen Ökostromvertrag abschließt, verpflichtet seinen Energieanbieter, die entsprechende Menge an Grünstrom auch tatsächlich einzukaufen. Der Grünstrom wird dann vielleicht nicht nebenan erzeugt – aber er wird erzeugt. Und diese Kundennachfrage sorgt dafür, dass mehr Grünstrom produziert, dadurch konventionelle Stromerzeugung verdrängt und klimaschädlicher CO2-Ausstoß vermieden wird. Wo genau das CO2 eingespart wird, ist dem Klima übrigens ziemlich egal.  

Stadtwerke setzen beim jenaturStrom auf Herkunftsmix

Uns aber nicht: Deshalb setzen wir bei unserem jenaturStrom auf einen Herkunftsmix. Der allergrößte Teil unseres Grünstroms stammt aus europäischen Wasserkraftwerken, v.a. in Österreich und Skandinavien. Die für unsere Kunden nötigen Strommengen und entsprechende Ökostromzertifikate kaufen wir über Zwischenhändler an der Energiebörse EEX in Leipzig. Für unseren jenaturStrom verfügen wir über klare Herkunftsnachweise, die sicherstellen, dass der Strom einer konkreten Erzeugungsanlage zuzuordnen ist.

Mehr Informationen zu unseren Stromprodukten finden Sie hier.

Noch klarer wird das mit der Herkunft bei einem deutlich kleineren Teil in unserem Ökostrommix. Jährlich kommen rund 9 Millionen Kilowattstunden saubere Energie aus regionalen Wasserkraftwerken entlang der Saale, z.B. von der Anlage am Burgauer Wehr in Jena. Über die Stadtwerke-Verbünde thüga und Trianel sind wir an offshore-Windpark-Projekten an der Nordsee beteiligt. Und einen zugegebenermaßen noch kleineren Teil beziehen wir aus unseren eigenen Anlagen, z.B. aus unseren Biogas- und Photovoltaikanlagen in Jena und Umgebung.

TÜV-Siegel „Geprüfter Ökostrom“ für besondere Nachhaltigkeit

Als vielleicht dritte Antwort auf die Frage mit dem grünen Strom aus der Steckdose lassen wir unseren Ökostrom alljährlich vom TÜV überprüfen. Im Mai 2020 haben uns die Auditoren zum sechsten Mal in Folge das Zertifikat „Geprüfter Ökostrom“ verliehen, für 2021 steht die Zertifizierung noch aus. Mit dem Siegel wird zum einen nachgewiesen, dass der von den Stadtwerken Energie bereitgestellte Strom komplett aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird und direkt europäischen Wasserkraftanlagen zugeordnet werden kann.

Zum anderen garantiert das Zertifikat, dass der Stadtwerke-Ökostrom besonders nachhaltig ist. Denn mit unserem jenaturStrom leisten wir einen Beitrag zur Förderung von Erneuerbaren Energien. Für jede verkaufte Kilowattstunde investieren wir einen vorgegebenen Betrag in den Zubau neuer Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung. Seit 2013 sind so fast fünf Millionen Euro zusammengekommen. Sie flossen in unterschiedliche regionale Projekte, z.B. in die Photovoltaikanlagen auf dem Stadtwerke-Haus, der Sparkassen-Arena oder dem Nahverkehrs-Betriebshof. Auch der Bau der Biogasanlagen in Jena-Zwätzen und Milda wurde so finanziert. Unser jüngstes Projekt war der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des AWO-Wohnparks Lebenswege in Jena-Lobeda, die die Bewohner mit preisgünstigem Sonnenstrom versorgt.

Solaranlage zur Eigenstromversorgung – Grüner geht’s nicht

Übrigens: Der beste Weg sicherzustellen, dass nur der allergrünste Strom aus der heimischen Steckdose kommt, ist: Ihn selbst zu erzeugen. Mit einer Solaranlage auf dem eigenen Dach. Gekoppelt mit einem Batteriespeicher, kann man sich so im besten Falle nahezu unabhängig vom Energiemarkt machen. Spannende Angebote dazu haben wir von den Stadtwerken natürlich auch.

Hier finden Sie unsere Angebote rund um das Solardach.

Die wichtigsten Fragen zum Thema „Erneuerbare Energien für Zuhause“ beantwortet euch Stadtwerke-Experte Christopher Gieb in unserem Video.

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