Türk Damer und die Kulturarena

Das letzte Lied verhallt, der letzte Applaus verklungen, der letzte Scheinwerfer erloschen: Nach sechs bunten Festival-Wochen ist die Kulturarena vorbei. Für Türk Damer geht der Stress jetzt richtig los. Der 56-jährige Jenaer ist Leiter Veranstaltungsservice bei JenaKultur und „Herr über die Technik“ der Kulturarena.

Er sagt: „Nach der Kulturarena ist vor der Kulturarena.“ Wenn sie endet, gilt: alles abbauen und so einlagern, dass es im nächsten Jahr zum richtigen Zeitpunkt wieder rausgeholt werden kann. Dann ist es Zeit für ihn und sein Team, schon wieder mit der Vorbereitung der nächsten Arena zu beginnen.

Der McGyver der Kulturarena

Mit einfachen Mitteln zur professionellen Lösung

Auf Türk Damers Agenda steht noch viel mehr als das reine Besorgen und Aufbauen von Bühne, Sound, Licht und Zuschauertribüne. Er ist auch verantwortlich für das Sicherheitskonzept. Kollegen nennen ihn auch den MacGyver der Kulturarena. Ein Spitzname, den er schmunzelnd relativiert: „Ich habe es noch nicht geschafft, aus einer Büroklammer und einem Stift eine Rakete zu bauen. Aber mit einfachen Mitteln eine professionelle Lösung finden, das kann ich. Ansonsten sehe ich mich eher als Problemlöser für alle Fälle.“

Und den braucht es auch: Vom kaputten Scheinwerfer, der binnen Minuten zu reparieren ist und vom Imbisswagen, bei dem der Kühlschrank ausfällt bis hin zu jährlich neuen Auflagen, die bei den Sicherheitsmaßnahmen zu beachten sind – zu all diesen Themen hat Türk Damer eine Anekdote parat. Genau diese allumfassende Veranstaltungsbetreuung ist es, die ihm Spaß macht, antreibt und auch im Privaten nicht loslässt: „Egal, welches Konzert ich besuche – für mich ist das Weiterbildung. Da kann es passieren, dass ein besonderer Scheinwerfer mich mehr fesselt als die Band, für die ich eine Eintrittskarte gekauft habe.“

Seit jungen Jahren dabei

„In die kulturelle Szene gerutscht“, wie Türk Damer sagt, ist er schon in jungen Jahren. In der DDR brachte er die Technik beim Pantomime-Theater zum Laufen, nach der Wende beim Jenaer Theater, danach am Theaterhaus. Bis er vor elf Jahren zum Team von JenaKultur und der Kulturarena stieß und seitdem dafür sorgt, dass technisch alles läuft. Klar, dass mit der Zeit ein Standardplan entstanden ist. Auch klar, dass die Anforderungen an die Technik mit den Jahren gewachsen sind. Wo früher Knöpfe gedrückt und Regler geschoben wurden, übernimmt heute der Computer. Immer auf dem neuesten Stand zu sein und für die Kulturarena die optimale Technik anzumieten, ist einer von Türk Damers obersten Ansprüchen.

Die Kulturarena ist eine Veranstaltung mit eigenem Charme. Sie steht für Konzerte, die erschwinglich sind. Sie bietet immer wieder musikalische Überraschungsmomente. Und: Hier triffst du immer jemand Bekanntes, mit dem du schwatzen kannst.

 

Eine Veranstaltung mit Charme

Eine Aufgabe, die immer kurz nach der Kulturarena ansteht, ist, auszuwerten, was gut gelaufen ist und abzuleiten, was das für die nächste Arena heißt. „Nach jeder Kulturarena drehen wir an kleinen Stellschrauben, um sie durch unsere Erfahrungen ein bisschen besser zu machen.“ Am Grundprinzip der Veranstaltung – und da ist er sich mit dem gesamten Arena-Team einig – rüttelt keiner: „Die Kulturarena ist eine Veranstaltung mit eigenem Charme. Sie steht für Konzerte, die erschwinglich sind. Sie bietet immer wieder musikalische Überraschungsmomente.

Und: Hier triffst du immer jemand Bekanntes zum Schwatzen.“ Damit ist die Kulturarena für Türk Damer ein verbindendes Element, ein gesellschaftliches Ereignis für die Stadt.

Nächstes Jahr ist alles anders

Die Kulturarena an einem anderen Ort als auf dem Theatervorplatz? Was manch eingefleischtem Fan Sorgenfalten auf die Stirn treibt, sorgt für Glanz in den Augen von Türk Damer. Fakt ist: 2020 muss die Kulturarena der Baustelle für Jenas neue Bibliothek weichen. Vorübergehend muss ein Ausweichplatz gefunden werden – was alle Standardpläne neu aufrollt.

Türk Damer: „Ich finde das reizvoll. Da können wir als Problemlöser so richtig loslegen und zeigen, was in uns steckt. Weil wir bei allen Überlegungen von Anfang an mit dabei sind, bringen wir uns voll ein.“

Eine unglaubliche Clique

Bei allem, was Türk Damer tut, ist er sicher: „Ohne mein Team geht nix, da wäre ich aufgeschmissen.“ Ob angestellter Veranstaltungstechniker oder freier Helfer: „Wir sind eine unglaubliche Clique, die über die wochenlange Arena-Zeit viel gemeinsam erlebt und eng zusammenwächst. Am Anfang der Arena macht es allen Spaß, zum Schluss will keiner aufhören – die Kunst ist, die Höhen und Tiefen dazwischen zusammen zu meistern.“

Wann ist ein Arena-Abend für Türk Damer gelungen? „Zuerst muss natürlich die Technik funktionieren. Wenn dann auch noch das Publikum gut drauf und die Band gut ist, das Wetter schön und einfach alles gut durchläuft – dann ist es ein Abend nach meinem Geschmack.“ Vor allem das Wetter ist für ihn eine Gleichung mit vielen Unbekannten: „Es kann unser bester Freund, aber auch schlimmster Feind sein. Wir hatten schon Unwetterwarnungen und nichts ist passiert. Und wir hatten schon beste Voraussagen und plötzlich gewitterte es so schlimm, dass wir das Konzert abbrechen mussten.“

Und dann qualmte die Bühne

Richtig brenzlig war es jedoch noch nicht. Türk Damer erinnert sich aber an die Theaterarena 1997 und an einen Spezialeffekt, der dies glauben machte: „Der Mann an der Nebelmaschine hatte es zu gut gemeint – und dann qualmte die Bühne, kein Schauspieler sah mehr was. Wir Techniker öffneten die Lüftungsklappen und der Qualm zog nach oben ab. Durch die dahinter stehende Sonne gab das einen unvergesslichen Effekt. Es sah aus, als ob das Theaterhaus in Flammen steht.“

Vielseitiges Technik-Talent

Wer glaubt, Türk Damer sei ausschließlich für die Kulturarena da, irrt. Von Orchesterabenden im Volkshaus über die Akustikarena im Volksbad bis hin zum Seminar in der Villa Rosenthal und Rockkonzerten auf dem Stadtfest: Er und sein Team haben für alle Veranstaltungen in städtischen Häusern den technischen Hut auf. Trotzdem: Immer, wenn Ende Mai dieersten Trucks mit Gerüsten und Bühnenelementen auf dem Theatervorplatz vorfahren, wenn die Zuschauertribüne aus dem Lager geholt und aufgebaut wird und sich so langsam das Arena-Gefühl einstellt: „Das ist und bleibt etwas Besonderes. Dann freuen wir uns auf dieses unglaublich sympathische Festival, das hoffentlich immer so bleibt, wie es ist.“

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