Mitten im Leben das Licht der Welt erblickt

Tomte war der Erste. Deshalb steht der Name des kleinen Jungen ganz oben: An einer Glastür, die direkt auf den Begegnungsplatz in der Wohnanlage Schützenhof führt. Mitten im Wohngebiet, neben Spielplatz und Wohngebietskonsum, erblicken hier im neuen Jenaer Geburtshaus monatlich bis zu acht neue Erdenbürger das Licht der Welt.

Geschäftsführerin Julia Teckemeyer freut sich über die neuen Räume:

„Geburt bei einer gesunden Frau und einem gesunden Kind ist etwas vollkommen Natürliches. Es ist schön, wenn Kinder dort zur Welt kommen dürfen, wo Menschen wohnen und leben.“ Um die Botschaft jedes neuen Lebens zu teilen, schreiben die Hebammen die Namen der Neugeborenen für die Nachbarn sichtbar an die Tür. „So wollen wir die Menschen in unserem Stadtteil einbinden und ihnen zeigen, was hier Wunderbares passiert.“

Bis das Jenaer Geburtshaus im August 2019 sein neues Domizil im Jenaer Norden beziehen konnte, war das Team über ein Jahr lang auf der Suche. Der alte Standort am Optischen Museum musste dessen Neubau weichen, eine kleine Odyssee liegt hinter dem zwölfköpfigen Hebammenteam. Aber auch eine Zeit, in der es viel Unterstützung erfuhr. „Unzählige Eltern haben uns geholfen und privat wurde ganz viel gespendet“, freut sich Julia Teckemeyer. „Die Hebammen haben trotz unsicherer Zeiten durchgehalten. Es gab außerdem einen Stadtratsbeschluss zum Erhalt unseres Hauses. Dass sich eine Stadt ein Geburtshaus für ihr Stadtbild wünscht, freut uns sehr.“ Auch wenn die Geburtsvorbereitungskurse und die Rückbildungsgymnastik nun in der Innenstadt organisiert werden, fühlen sich Julia Teckemeyer und ihr Team hier sichtlich wohl: „Es ist einfach schön einen Ort zu haben, wo wir sein dürfen und an dem wir gerne arbeiten.“

Schwangerschaft und Geburt als ganzheitliches Erlebnis

Das merken auch die Frauen, die hier ihre Kinder gebären. Eine davon ist Marie-Theres, die im Geburtshaus ihren Sohn Tomte zur Welt brachte. Eine Entscheidung, die die 29-Jährige in keiner Minute bereute: „Im Gegensatz zu meiner ersten, klassischen Geburt durfte ich hier erfahren, dass Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge ganzheitlich zu betrachten sind. Ich hatte von Beginn der Schwangerschaft an vier feste Hebammen, die ich in vielen Terminen kennenlernen konnte und die mir telefonisch Tag und Nacht zur Seite standen. Zwei davon waren während der gesamten Geburt für mich da. Wenn man sich kennt und einander vertraut, kann man unter der Geburt wunderbar zusammenarbeiten.“ Dabei hätte Tomte nicht viel eher kommen dürfen. Nur wenige Tage vor seiner Geburt half seine Mama noch bei leichten Umzugsarbeiten des Geburtshauses mit.

An seinen Vermieter jenawohnen stellte das Geburtshaus besondere Herausforderungen beim Ausbau der Räumlichkeiten: Schallschutzdecken sorgen dafür, dass möglichst nichts aus den Gebärraum nach außen dringt. Leitungen und Anschlüsse für die Geburtswanne zeugen von weiteren baulichen Besonderheiten. Den Räumen anschließend eine Art Zuhause-Atmosphäre zu geben, war dann Arbeit des Hebammenteams. Und sie hat sich auszahlt: „Die Rückmeldungen der Frauen, die hierher ins neue Geburtshaus kommen, sind allesamt positiv. Es ist schön, gemütlich und familiär. So wie der Stadtteil drumherum. Es passt einfach gut zusammen.“

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