Die letzte Wohnung: Ein Besuch im ersten stationären Hospiz in Jena

Wenn es um das eigene Sterben geht, dann sind alle Menschen Anfänger. Umso wichtiger, dass es Einrichtungen wie das stationäre Hospiz in Jena gibt. Hier werden unheilbar kranke Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Wenn keine Aussicht mehr auf Heilung besteht, dann liegt der Fokus darauf, den Krankheitszustand zu stabilisieren und die Schmerzen zu lindern. Etwa anderthalb Jahre nach der Fertigstellung des Jenaer Hospizes, kommen die Hospiz und Palliativ-Stiftung Jena und jenawohnen als Bauherr und Vermieter zusammen, um eine Zwischenbilanz für das gemeinsame Projekt zu ziehen.

Es ist einer der letzten warmen Sonnentage im SpätsommerChristiane KlimschGeschäftsführerin des Hospizes in Jena sitzt gemeinsam mit jenawohnenGeschäftsführer Tobias Wolfrum unter einer orange-leuchtenden Markise auf der Terrasse des Hospizes in Jena-Lobeda. Wenn Christiane Klimsch über die Personen spricht, die in ihrer letzten Lebensphase in daJenaer Hospiz einziehen, dann nennt sie diese nicht Patienten oder gar Klienten 

Sie betont: Die Menschen, die bei uns leben und sterben sind unsere Gäste.” Dadurch würden diese nicht nur auf ihre Krankheitsdiagnose reduziert werden, erklärt sie. Das Wichtigste sei, dass sich die Menschen und ihre Angehörigen hier wohl und heimisch fühlen – eine Heimat auf Zeit sozusagen. Tobias Wolfrum fügt nickend hinzu: “Hier haben wir als Wohnungsunternehmen damals Neuland betreten und intensiv mit der Hospiz und Palliativ-Stiftung Jena von Anfang an eng zusammengearbeitet. Denn wir wollen Wohnraum für jede Lebensphase schaffen.”   

Christiane Klimsch, Geschäftsführerin des Hozpiz Jena und Tobias Wolfrum, Geschäftsführer von jenawohnen, blicken auf das besondere Bauprojekt.

Auch ein Ort für einen würdevollen Abschied 

2018 konnte das kommunale Wohnungsunternehmen jenawohnen die stationäre Einrichtung an die 2014 gegründete Stiftung übergeben. “Das war damals wie heute ein ganz besonderes Projekt”, erinnert sich der jenawohnenGeschäftsführer und ergänzt: Hier haben wir keinen Raum allein für das Leben und Arbeiten gebaut, sondern auch einen Ort für einen würdevollen Abschied. In einem Hospiz finden Sterbende ein letztes Zuhause, die letzte Wohnung, das letzte Zimmer.” 

Die Idee von einem Hospiz in Jena gab es schon sehr lange. Richtig konkret wurde es im Jahr 2012. Bernd Wiederanders, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Hospiz Jena, Prof. Dr. Ulrich Wedding, Chefarzt der Abteilung Palliativmedizin am UKJ und Christiane Klimsch, die damals noch im Pflegestützpunkt als Beraterin tätig war, brachten den Stein ins RollenSie sahen die Notwendigkeitdass neben der bereits gut aufgestellten ambulanten Hospizarbeit in der Region ein stationäres Hospiz fehlteDamals war Bad Berka das nächstgelegene Hospiz und die Plätze dort waren rar. Wir haben also nach Möglichkeiten gesucht, ein stationäres Hospiz in Jena zu etablieren”, erinnert sich Christiane Klimsch. Hierbei war von Anfang an gewollt und geplant, die Hospizarbeit in Jena, ambulant und stationär unter einem Dach zu vereinen. 

Räumliche Voraussetzungen geschaffen 

Und: jenawohnen hatte ein passendes Grundstück in Lobeda-Ost, an der Ecke Paul-Schneider-Straße/Bonhoefferstraße unterhalb der Lobdeburgschule. Damit war ein guter Standort nahe dem Universitätsklinikum gefunden, der sich außerdem durch eine passende Infrastruktur und Verkehrsanbindung auszeichnete. Es passte wirklich zusammen, denn jenawohnen war damals sofort sehr offen für unser Vorhaben”, sagt Christiane Klimsch und Tobias Wolfrum fügt hinzu: Krankheit und Abschied von unseren Lieben sind schwierige Themen, aber sie gehören zum Leben dazu und wir wollten die räumlichen Voraussetzungen für eine geborgene Pflege bis zum Schluss schaffen. 

Die weiteren Etappen waren dann schnell geschafft: Im Frühjahr 2016 gab es einen Architektenwettbewerb, den Professor Gerber aus Dortmund mit seinem Entwurf für sich entschied. Im Dezember 2017 wurde die erste Bodenblatte gelegt und bereits ein Jahr später wurde das Hospiz feierlich an die Hospiz und Palliativ-Stiftung Jena übergeben. “Dieses 3,8 MillionenEuroProjekt war eines unserer schnellsten Bauprojekte überhaupt”, erinnert sich Tobias Wolfrum. 

Auch zwei Zimmer für Angehörige 

Entstanden ist ein heller eingeschossiger Flachbau mit großzügiger Gartenanlage. Das Hospiz bietet neben insgesamt zwölf Einzelzimmern für Schwerstkranke auch Platz für zwei Angehörigenzimmer“Es sind Räume für ein möglichst würdevolles Sterben und Abschiednehmen in fürsorglicher Geborgenheit entstanden”, fasst die Geschäftsführerin des Hospizes zusammen. “Unser Team, aber natürlich auch unsere Gäste fühlen sich hier sehr wohl”, sagt sie. 

Der erste Gast zog am 15. Februar 2019 ein. Seither wurden in dem Jenaer Hospiz über 100 schwerkranke Menschen versorgt, bei denen keine Aussicht mehr auf Heilung bestand. Durchschnittlich 21 Tage leben die Gäste dann noch im Hospiz Jena. Eine nüchterne statistische Zahl: Denn es gelte immer der Leitsatz: „Den letzten Tagen mehr Leben geben, nicht dem Leben mehr Tage“, von Cicely Saunders (1918-2005), der Begründerin der modernen Hospiz- und Palliativbewegung. Aus diesem Grund gibt es auch an einem Ort des Abschiedes immer wieder etwas zu Feiern. “Wir veranstalten hier Sommer- und Herbstfeste. Es gibt Kino- und Discoabende, wir feiern natürlich Weihnachten und Geburtstage und wir halten Gedenkfeiern ab”, zählt Christiane Klimsch auf.  

Garten des Hospizes.

Eine Arbeit mit ganz viel Herz 

Über 30 Mitarbeiter, darunter Fachpflegekräfte, Köchinnen, Reinigungspersonal, Psychologen und Koordinatoren und zusätzlich 150 Ehrenamtliche, umsorgen die Gäste auf ihrem Weg des Sterbens. “Und sie alle sind mit viel Herz bei der SacheEinfach ganz tolle Mittarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne sie würde es nicht gehen”, gibt die Geschäftsführerin des Hospizes zu verstehen. 

Ehrenamtliches Engagement und die Unterstützung durch Spenden sind wichtige Pfeiler für das Hospiz. Denn: Die Hospiz- und Palliativ-Stiftung Jena muss als Trägerin des Jenaer Hospizes einen Eigenanteil von fünf Prozent der jährlichen Kosten selbst aufbringen. Dies entspricht einer Summe von etwa 100.000 Euro im Jahr.  

Die Projektphase hat das Jenaer Hospiz also hinter sich gelassen. Der Blick geht weiter nach vorne. Welche Angebote können noch ausgebaut werden? Was fehlt? Diese Fragen beschäftigt das Team. Da gibt es natürlich auch schon ganz konkrete Pläne und Ideen. Die nächste Anschaffung sollte ein schöner großer Apfelbaum für den Hospizgarten sein. Ja, über einen Apfelbaum würden sich unsere Gäste sicherlich sehr freuen”, sagt Christiane Klimsch und blickt gemeinsam mit Tobias Wolfrum in den großen Garten des Hospizes 

Wer das Jenaer Hospiz unterstützen möchte, kann dies hier tun.  

Fragen zu den Kriterien für eine Aufnahme beantwortet das Hospiz hier.

Wie alles begann kannst du dir auch in unserem Video auf YouTube anschauen.

 

Würdest du deine letzten Tage auf Erden auch in einem Hospiz verbringen, oder lieber Zuhause?

Habt ihr durch verstorbene Verwandte schon Erfahrungen mit Hospizen gemacht? Verratet es uns in den Kommentaren. 

 

 

 

Fotos: Anna Schroll

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