Adern von Jena – Fernwärmeleitungen als Kulturprojekt

Gastbeitrag von Dana Kurz, Initiatorin und Projektleiterin Adern von Jena

Wer hätte das vor 17 Jahren gedacht? Auch 2021 machen wir uns wieder Gedanken darüber: Welches Projekt wollen wir in diesem Jahr realisieren? Und 2022? Das Schöne ist: diese oberirdischen Fernwärmeleitungen in Jena sind so lang, dass sie scheinbar unendlich viel Platz und Raum für die guten Ideen und die Kreativität dieser Stadt bieten.

Die vielfältigen Projekte der Adern von Jena

Ob temporär oder dauerhaft, ob landschaftsgestalterisch, künstlerisch oder lyrisch, ob nutzbar oder zur puren Freude, ob mit Ernst oder Humor, jedes Projekt der Adern von Jena hinterlässt seine Spuren an den oberirdischen Fernwärmeleitungen.

Entstanden sind in den letzten 17 Jahren Orte, die zum Lesen, Spielen, Schmunzeln, Klettern, Verweilen und sich Erfreuen einladen. Die Fernwärmetrasse hat sich gewandelt. Aus funktionalen, technischen Versorgungsleitungen ist etwas Künstlerisches und Einzigartiges entstanden: Die Adern von Jena.

Oberirdisch sichtbar und unterirdisch unbemerkt versorgen sie die Stadt mit Energie

Teils unter der Erde vergraben, in Tunneln und Schächten, teils oberirdisch sich dicht über dem Boden schlängelnd oder aufgeständert – Wege, Straßen, Bahntrassen und Flüsse überbrückend durchziehen die Fernwärmeleitungen die Stadt. Mit einer Gesamtrassenlänge von 123 Kilometern werden rund 30.000 Haushalte über diese Adern von Jena versorgt. Sie verbinden die Innenstadt mit den südlichen Siedlungsräumen Winzerla, Göschwitz und Lobeda. Rund 11% der Leitungen mit einer Gesamtlänge von 14 Kilometer sind oberirdisch.

Altbewährtes neu denken: die oberirdischen Fernwärmetrasse als Kunstprojekt

Fernwärmeleitungen sind ein prägendes Element vieler ostdeutscher Städte. Der Prozess Adern von Jena zeigt: Diese Leitungen können mehr sein als ein notwendiges Übel zur Energieversorgung der Stadt. Exponieren statt Verstecken, Inszenieren statt Tarnen, das ist die Strategie der Adern von Jena. Langfristig wird die oberirdische Fernwärmetrasse durch Aktionen und Veranstaltungen, Kunst und Landschaftsgestaltung in ihr Umfeld integriert und trägt so zu einer Bereicherung des Jenaer Stadtbildes bei.

Die gute Adresse mit eigener Maßeinheit: der Rohrmeter

Die Projekte der Adern von Jena markieren Orte auf dem langen Kontinuum der Fernwärmeleitungen. Und wie findet man diese Orte in allerbester Lage mit Saaleblick? Sie haben alle eine Adresse! Diese Adresse setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einem Namen, der das

Projekt beschreibt und einer Nummer, in der spezifischen Maßeinheit „Rohrmeter“. Analog zu dem Flusskilometer, bei dem die Quelle mit 0 markiert wird, startet der Rohrmeter mit der Zahl 0 am Heizkraftwerk in Winzerla. Der Rohrmeter bezieht sich also auf die Energiequelle und hat die Einheit 1 Rohrmeter = 100 Meter.

Zwei Beispiele: BergBlick 19 ist 1,9 Kilometer vom Heizkraftwerk entfernt und FarbStrom 2 nur 200 Meter. Außerdem gibt der Adress-Stempel auch Auskunft darüber, in welchem Jahr das Projekt entstanden ist und wer daran beteiligt war.

Von der Stadt und für die Stadt

Seit 2004 machen die Adern von Jena durch jährliche Projekte entlang der Fernwärmetrasse auf sich aufmerksam. Motor des Prozesses ist ein Expertengremium aus Vertreter*innen der Kooperationsbetriebe Stadtwerke Jena Gruppe, Stadt Jena und JenaKultur unter Leitung der Initiatorin Dana Kurz, ergänzt um ein breites Netzwerk aus rund 35 Institutionen, Vereinen und Initiativen der Zivilgesellschaft. In über 25 Projekten haben sich rund 1.300 Personen beteiligt.

Wer sind die Kreativen, die Autorinnen und Autoren, die Macherinnen und Macher all dieser besonderen Projekte und Aktionen? Es sind Schüler*innen, Auszubildende, Studierende, Landschaftsarchitekt*innen, Planer*innen und Künstler*innen aus Jena, die diese Projekte erdacht und umgesetzt haben. Ihre Ideen, ihre Werke und ihre zupackenden Hände vor Ort sind die Adern von Jena, die Transformation der Fernwärmetrasse von etwas Alltäglichem in etwas Besonderes.

Passend zum Thema

In diesem Jahr feiern wir Stadtwerke Jena unser 30-jähriges Bestehen. Viele unserer Anlagen haben wir zusammen mit jungen Graffiti-Künstlern und kreativen Schülern und Schülerinnen in den vergangenen 30 Jahren gestaltet. Hier findet ihr weitere Bilder von bunten Farbtupfern der Stadtwerke.  

Wenn euch das Thema gefällt, dann klickt euch in unseren  Blogartikel zu buntgestalteten Trafostationen.  Ob bunt beklebt, farbenfroh besprüht oder mit dem Pinsel künstlerisch in Szene gesetzt: Viele Trafostationen der Stadtwerke  haben in den vergangenen 30 Jahren eine Verschönerungskur erhalten.

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