Gesund und bestens geprüft: 9 Fakten, warum ihr künftig nur noch Leitungswasser trinken solltet

Trinkwasser aus der Leitung zu trinken ist umweltschonend und preiswert. Aber ist es auch gesund? Und unbedenklich? Hier beantworten wir die häufigsten Fragen rund um das Thema Leitungswasser trinken.

Wir sind verabredet mit Franziska Ihle, Qualitätsingenieurin Trinkwasser bei den Stadtwerken Jena Netze. Die betreiben im Auftrag des Zweckverbandes JenaWasser alle Anlagen, die zur Förderung, Aufbereitung und Verteilung des Trinkwassers nötig sind. Dass dabei die strengen Kriterien der Trinkwasserverordnung stets eingehalten werden, u.a. dafür sorgen Franziska Ihle und ihre Kollegen.

Deshalb kennt kaum jemand das Trinkwasser in Jena und Umgebung besser. Also können wir ihr im Interview alle Fragen stellen, die uns zum Trinkwasser aus der Leitung bewegen. Für die wichtigsten Fakten in aller Kürze haben wir euch ein Kurzvideo erstellt. Wer es genauer wissen möchte, findet ausführlichere Antworten hier im Blog.

Kann ich Leitungswasser bedenkenlos trinken?

Franziska Ihle: Ja. Selbstverständlich. Denn Leitungswasser ist „Trinkwasser“. Und das ist gemäß der deutschen Trinkwasserverordnung „Wasser für den menschlichen Gebrauch“. Das heißt es dient zum Trinken, zur Zubereitung von Lebensmitteln und auch zur Reinigung von allem, was mit Lebensmitteln in Kontakt kommt. Dafür gibt es strenge Vorschriften. Dabei handelt es sich einerseits um Qualitätsanforderungen, andererseits um technische Regeln von der Gewinnung bis zur Verteilung des Trinkwassers. Es darf weder durch Verunreinigungen noch durch ungeeignete Materialien in seiner Qualität beeinträchtigt werden. Und es muss eine hohe Versorgungssicherheit herrschen. Die regelmäßige Entnahme und Untersuchung von Wasserproben dient dabei der Kontrolle. Wichtige Parameter überwachen unsere Anlagen sogar vollautomatisch rund um die Uhr. Kaum ein anderes Lebensmittel unterliegt so strengen Vorgaben an Technik und Überwachung wie das Trinkwasser.

Enthält Leitungswasser eigentlich auch Mineralien?

Franziska Ihle: Ja. Und in unseren Breiten sogar eine ganze Menge. Wir fördern für die Aufbereitung in unseren Wasserwerken Grundwasser aus Tiefbrunnen und Quellen in der Nähe von Jena. Unsere Brunnen reichen dort teilweise bis zu 150 Meter in die Tiefe. Bis das Wasser dort angekommen ist, hat es verschiedene Gesteinsschichten durchflossen. Dabei wird es einerseits durch natürliche Filtration gereinigt. Andererseits nimmt es auf seinem Weg durch das Gestein viele wichtige Mineralien und Spurenstoffe auf. Deshalb sind so wichtige Mineralien wie Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium typische Bestandteile unseres Trinkwassers. Allerdings hängt die genaue Zusammensetzung stark von der jeweiligen Herkunft ab, da es lokale Unterschiede im Untergrund gibt. Insgesamt unterscheiden wir im JenaWasser-Gebiet zehn verschiedene Trinkwässer. Wer die Zusammensetzung seines Trinkwassers ganz genau wissen will, kann sich unter www.jenawasser.de/inhaltsstoffe detailliert informieren.

Kann ich meinem Baby Leitungswasser geben?

Franziska Ihle: Ja. Frisches Trinkwasser ist grundsätzlich gut für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet. Und Trinkwasser sollte für Babys und Kinder auch die erste Getränke-Wahl sein. Denn die Anforderungen der Trinkwasserverordnung sind ausdrücklich so definiert, dass das Wasser für alle Bevölkerungsgruppen zum Trinken geeignet ist. Die chemischen Grenzwerte sind meist auf einen lebenslangen ausschließlichen Genuss von Trinkwasser berechnet. Bestimmte Stoffe werden aber gesondert betrachtet. Das ist im Zusammenhang mit der Baby-Ernährung zum Beispiel der Nitrat-Gehalt. Hier berücksichtigt man, dass Säuglinge mit ihrem noch unentwickelten Magenmilieu besonders empfindlich sind und hohe Nitrat-Gehalte zu einer verminderten Sauerstoffaufnahme im Blut führen können. Wässer, die man als Babywasser kaufen kann, müssen zwar einen nochmals niedrigeren Nitratgehalt aufweisen. Der strengen Qualitätskontrolle wie das Trinkwasser unterliegen sie jedoch nicht.

Das Leitungswasser in unserer Region ist teilweise ziemlich hart. Ist das eigentlich ungesund?

Franziska Ihle: Nein, ganz im Gegenteil. Die Wasserhärte ist ein Maß für den Gehalt an sogenannten Härtebildnern. Das sind Erdalkaliionen, vor allem Calcium und Magnesium, die schwerlösliche Verbindungen eingehen können. Wird das Wasser erhitzt, sinkt die Löslichkeit dieser Stoffe weiter, sie fallen aus und es bildet sich der typische Kalk. Diese Stoffe sind aber sind nicht schädlich. Deshalb gibt es für sie auch keine Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung. Vielmehr sind Calcium und Magnesium sogar wichtige Stoffe für Herz, Muskeln und Knochen. Sie müssen täglich in ausreichender Menge aufgenommen werden. Dabei kann hartes Trinkwasser also helfen.

Wie hart unser Trinkwasser ist, hängt wiederum von seiner Herkunft ab. In unserer von Muschelkalk geprägten Gegend ist das Grundwasser oft sehr kalkhaltig. Für eine Nutzung als Trinkwasser bietet es allerdings beste Voraussetzungen. Aufwändige Verfahren für eine Aufbereitung sind meist nicht erforderlich. Nach Entfernung überschüssiger Kohlensäure, Eisen und Mangan kann es als naturnahes Lebensmittel verteilt werden. Genaue Angaben zur Härte Ihres Trinkwassers finden Sie unter www.jenawasser.de/wasserhaerte.

Brauche ich einen (Tisch-)Wasserfilter, damit ich Leitungswasser trinken kann?

Franziska Ihle: Aus gesundheitlichen Gründen braucht es solche Filter nicht. Die Hersteller werben oft damit, dass die Filter Schwermetalle und andere Schadstoffe aus dem Wasser entfernen würden. Trinkwasser enthält jedoch gar keine schädlichen Stoffe. Und wenn die Hausinstallation ordnungsgemäß betrieben wird – was in aller Regel der Fall ist – dann gibt es nichts, was vor dem Trinken erst entfernt werden müsste.

Bestimmte Filter halten auch Kalk zurück. Das schätzen manche Menschen, weil Wasserkocher nicht so schnell verkalken oder der Tee besser schmeckt. Dafür kann ein solcher Filter sinnvoll sein.

Allerdings sollten Sie immer bedenken, dass die erforderlichen Filterkartuschen regelmäßig gewechselt werden müssen. Andernfalls kann es zu einer Aufkonzentrierung und plötzlichem Austrag der zuvor herausgefilterten Stoffe kommen. Auch eine Verkeimung der meist bei Zimmertemperatur stehenden Filter ist möglich. Und letztlich verursachen die Filterkartuschen erheblichen Müll und sind mit hohen Kosten verbunden.

Ist Flaschenwasser besser als Leitungswasser?

Franziska Ihle: Nein. Flaschenwasser unterliegt ganz anderen Vorschriften als Trinkwasser. Mineral­- und auch Tafelwasser ist ein abgepacktes Produkt, das Verbraucher im Handel kaufen können. Trinkwasser dagegen ist ein Lebensmittel, das jedem Bürger über die Wasserleitung zugänglich ist und zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehört.

Die Trinkwasserverordnung stellt hohe Qualitätsstandards auf. Diese berücksichtigen eine flächendeckende Versorgung der Menschen und einen lebenslangen, unbedenklichen Genuss. Dagegen regelt die Mineral- und Tafelwasserverordnung im Grunde die Eigenschaften eines Produktes und deren Deklaration auf der Flasche. Zwar gibt es auch hier bestimmte Grenzwerte. Diese sind jedoch nicht so streng wie im Trinkwasser. Zudem fehlt die umfassende Qualitätssicherung und Kontrolle.

Nur weil ein Wasser Mineralwasser heißt, muss es übrigens nicht unbedingt einen höheren Gehalt an Mineralien haben. Hier lohnt durchaus mal ein Blick auf die Flasche und ein Vergleich mit Ihrem Trinkwasser aus der Leitung. Die genauen Angaben dazu finden Sie unter www.jenawasser.de/inhaltsstoffe.

Wie wird verhindert, dass gefährliche Stoffe ins Trinkwasser gelangen?

Franziska Ihle: Genau dies zu verhindern, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben als Wasserversorger. Dabei setzen wir auf das sogenannte „Multibarrierenprinzip“. Durch gezielte Maßnahmen wirken wir in jeder Stufe der Versorgungskette dem Eintrag von Verunreinigungen aktiv entgegen. In Deutschland beginnt dies bereits beim flächendeckenden Gewässerschutz durch Anforderungen an die Abwasserreinigung und Einleitung in Gewässer. In Gebieten, wo Wasser für die Trinkwasserversorgung gewonnen wird, sind zudem mit der Festlegung von Schutzgebieten bestimmte Handlungen verboten. Wir arbeiten außerdem mit Landwirten zusammen, um den Eintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in den Boden zu begrenzen.

Unser genutztes Grundwasser ist bereits so gut, dass lediglich überschüssige Kohlensäure sowie Eisen und Mangan entfernt werden müssen. Weitere aufwändige Aufbereitungsschritte sind nicht erforderlich. Und wir halten unsere technischen Anlagen auf dem neuesten Stand, um bei Gewinnung, Aufbereitung, Speicherung und Verteilung des Trinkwassers eine hohe Qualität zu sichern.

Die letzte Stufe in der Versorgungskette ist dann die Hausinstallation. Hier haben wir als Versorger keinen Einfluss mehr, dafür ist der Hauseigentümer verantwortlich. Aber auch er muss sich an technische Regeln halten. So dürfen notwendige Arbeiten nur von Fachleuten erledigt und nur geeignete Materialien verwendet werden.

Ist Leitungswasser trinken gut für die Umwelt?

Franziska Ihle: Ja, keine Frage. Das Trinkwasser aus der Leitung liefern wir Ihnen völlig verpackungsfrei direkt ins Haus. Bequemer geht’s nicht. Aber es hilft auch Müll zu vermeiden, Ressourcen zu schonen und CO2-Ausstoß zu vermeiden. Denn das Befüllen, Lagern und Transportieren von Wasser in Flaschen wird damit unnötig. Auch das Herstellen, Transportieren, Entsorgen, Einsammeln und Recyceln der (meist) (Einweg-)Plastikflaschen können wir unserer Umwelt ersparen. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei Wasser aus Kunststoffflaschen, insbesondere bei Einwegflaschen (PET), ist ein gewisser Materialübergang aus dem Plastik ins Wasser nicht zu vermeiden. Auch eine Aufkeimung des Wassers ist bei langer Lagerung möglich. All das hat man im frischen Trinkwasser nicht.

Welche Tipps haben Sie noch rund ums Leitungswasser trinken?

Franziska Ihle: Um wirklich frisches Wasser trinken zu können, lassen Sie den Wasserhahn immer erst ein wenig laufen. Am besten so lange, bis das Wasser spürbar kühler aus der Leitung kommt und seine Temperatur auch nicht mehr ändert. So genießen Sie das frische Wasser aus dem Versorgungsnetz und nicht etwa das abgestandene Wasser aus der Hausinstallation. Nutzen Sie vorrangig das Wasser aus dem Kaltwassernetz zum Trinken, aber auch zum Teekochen oder Obst- und Gemüsewaschen. Im warmen Wasser können sich schneller Bakterien oder Keime vermehren, erst recht, wenn das Wasser länger in der Leitung stand.

Trinkwasser aus der Leitung zu trinken ist umweltschonend und preiswert. Aber ist es auch lecker? Klar, meint GalaxSea-Koch Christian Kuntzsch. Und verrät uns hier drei unwiderstehliche Getränkerezepte mit Trinkwasser.

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  1. […] gegen Hahnenquell“ darf man hier bei uns getrost als entschieden bezeichnen: Unser JenaWasser ist mineralienreich und naturbelassen, lückenlos kontrolliert und chemiefrei desin…. Hat da wirklich noch jemand das Bedürfnis, Wasser aus den italienischen oder den französischen […]

  2. […] So ist garantiert, dass Trinkwasser weder Krankheitserreger noch andere gesundheitsschädliche Stoffe enthält, stattdessen wertvolle Mineralien wie Calcium, Magnesium und Kalium. Flaschenwasser hingegen unterliegt „nur“ der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Die regelt im Grunde die Kennzeichnung der Eigenschaften eines Produktes. Die umfassende Qualitätssicherung und Kontrolle wie beim Trinkwasser fehlt allerdings. Noch mehr Informationen dazu, was wir als JenaWasser alles tun, damit ihr unser Trinkwasser bedenken…. […]

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