365 Tage ohne Abgase unterwegs

Hintergrund: Der Jenaer Nahverkehr will seinen Anteil für eine umweltfreundliche und lebenswerte Stadt beitragen. Nachdem die Straßenbahnen bereits seit fast 120 Jahren mit Strom fahren, begann das Unternehmen daher vor einem Jahr (20. Februar 2020), die ersten drei vollelektrisch angetriebenen Stadtbusse in den Linienverkehr aufzunehmen. Die drei eCitaros sind ein wichtiger Baustein, klimafreundliche und für alle nutz- und bezahlbare Elektromobilität in Jena voranzutreiben. Mit ihnen hat der Flottenumbau auf elektrische Antriebe begonnen. Wir ziehen Bilanz, nachdem die Busse in unserer Stadt 365 Tage ohne Abgase unterwegs waren.

Die Busse entwickelte, fertigte und lieferte die EvoBus GmbH. EvoBus ist ein Tochterunternehmen der Daimler AG. Mit dem eCitaro entwickelte das Traditionsunternehmen ein durchdachtes und ausgereiftes Stadtbuskonzept. Mit diesem treibt sie die Elektromobilität auch bei uns in Jena maßgeblich voran. So reduziert das neuartige Thermomanagement beispielsweise den Energieverbrauch der Fahrzeuge und erhöht damit deren Reichweite.

Daten und Fakten zum eCitaro:

  • Höhe 3,5 Meter
  • Länge 12,135 Meter
  • Breite 2,55 m
  • Sitzplätze 32
  • max. Antriebsleistung 250 kW (vergleichbarer Dieselbus 235 kW)
  • zulässiges Gesamtgewicht: 18344 kg
  • Leergewicht: 13924 kg
  • Klimatisierung EvoThermatik CO2-Klimaanlage mit Wärmepumpe

Schauen wir uns nun etwas genauer an, was die E-Busse in Sachen CO2-Einsparung bringen. Spannend natürlich nach einem Jahr im Einsatz das Fazit der Fahrer und Fahrerinnen sowie der Fahrgäste. Hier haben wir die wichtigsten Fragen für Euch beantwortet. Habt Ihr auch Fragen zu den E-Bussen, Anregungen oder Kritik, dann teilt diese mit uns in den Kommentaren.

Wieviel CO2 konnte durch den Einsatz der E-Busse eingespart werden?

Ein Dieselbus des Jenaer Nahverkehrs ist durchschnittlich 45.000 Kilometer pro Jahr im Einsatz. Dabei verbraucht er ca. 20.000 Liter Diesel. Je verbrauchtem Liter Diesel emittiert er wiederum 2,65 Kilogramm CO2, also insgesamt 53.000 Kilogramm CO2. Für jeden Dieselbus, der durch einen E-Bus ersetzt wird, können also 53.000 Kilogramm CO2 pro Jahr eingespart werden. Die E-Busse des Jenaer Nahverkehrs werden mit zertifiziertem Ökostrom aus 100 % regenerativer Stromerzeugung betrieben.

Was sind weitere Vorteile der neuen E-Busse?

Die E-Busse stoßen keine verbrennungsmotorischen Feinstaubpartikel und Stickoxide aus. Durch den Einsatz von E-Bussen entstehen deutlich weniger Lärm-Emissionen. Für die klimafreundliche Mobilität steht nicht nur das „E“ im Kennzeichen der eCitaros, sondern auch der „Blaue Engel“ – das Gütezeichen, mit dem die vollelektrischen Stadtbusse ausgezeichnet worden. Vor der Erteilung des Gütezeichens „Blauer Umweltengel“ stehen hohe Hürden. So müssen vollelektrisch angetriebene Omnibusse beispielsweise eine Mindestkapazität der Traktionsbatterien nachweisen, eine Garantie von mindestens fünf Jahren oder 200.000 Kilometer Laufleistung auf die Batterien haben, einen zerstörungsfreien Austausch bei einem Batteriewechsel und die Lieferfähigkeit von Ersatzkomponenten bis zehn Jahre nach Produktionseinstellung garantieren. Darüber hinaus ist der Anteil von Schwermetallen in den Batterien streng begrenzt. Die Anforderungen umfassen ebenfalls die Umweltkriterien des Gesamtfahrzeugs. In Lacken und Beschichtungen etwa sind keine Blei-, Chromoxid- und Cadmiumverbindungen zulässig.

Wie erleben die Fahrer und Fahrerinnen den Umstieg auf die E-Busse?

Eine Umfrage unter den FahrerInnen, die bereits mit den E-Bussen unterwegs waren, hat ergeben, dass nahezu allen (mehr als 95 %) der Umstieg auf den elektrischen Antrieb leicht viel. Als besonders positiv werteten die FahrerInnen die geringere Geräuschkulisse, das Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie den Fahrkomfort insgesamt.

Was sagen die Fahrgäste zu den E-Bussen?

Ebenso ergab eine Umfrage unter mehr als 200 Fahrgästen ein positives Fazit. Auch diese lobten den geringen Geräuschpegel sowie das angenehme Fahrgefühl. Fahrgäste wünschen sich insgesamt mehr E-Busse und elektrifizierte Linien.

Die ersten drei E-Busse werden auf der Linie 15 zwischen den Haltestellen Westbahnhof und Rautal eingesetzt. Die an der Haltestelle Westbahnhof errichtete Schnellladestation mit einer Leistung von 300 kW gehört zu den neuesten Entwicklungen der Firma Heliox auf dem Gebiet der Hochleistungsladesysteme für Elektrobusse. Während des Ladevorgangs können Fahrer und Fahrgäste jederzeit ein- und aussteigen.

Wie finanzierte der Nahverkehr die E-Busse?

Zur Finanzierung des gesamten E-Vorhabens stellte das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz dem Jenaer Nahverkehr aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent (2,22 Millionen Euro) zur Verfügung. Mit diesen wurde die Anschaffung der drei Elektrobusse in Höhe von jeweils 690.000 Euro, die Errichtung der dafür nötigen Ladeinfrastruktur, die Umrüstung der Werkstätten sowie die Qualifikation der Mitarbeiter realisiert.

Wie gestaltet sich der weitere Flottenausbau?

Mit den ersten drei E-Bussen begann der Flottenausbau in Richtung moderne Antriebe. Als ein umweltbewusstes und ökologisch handelndes Unternehmen setzt der Nahverkehr definitiv weiter auf die Elektrifizierung seiner Busflotte. Bereits für das Jahr 2022 ist die Beschaffung weiterer E-Busse für den Einsatz auf der Linie 14 geplant. Der Jenaer Nahverkehr hat im Mai 2021 für diese E-Busse samt Ladeinfrastruktur vom Thüringer Umweltministerium einen Förderbescheid über 1,5 Millionen Euro ausgehändigt bekommen.

Der Jenaer Nahverkehr ist ein Unternehmen der Stadtwerke Jena und Partner im kommunalen Netzwerk „Elektromobilität für Jena 2030“. Ziel des Projektes ist es, gemeinsam mit weiteren Partnern Elektromobilität in Jena voranzutreiben. Die Stadtwerke Jena verantworten seit 2017 die Projektsteuerung und koordinieren die übergreifende Projektgruppe. Weitere Infos: https://www.stadtwerke-jena-gruppe.de/unternehmen/elektromobilitaet/elektromobilitaet-fuer-jena-2030.html

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